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Buch: Der unverstandene Künstler Textteil Auswahl Zeichnungen  

 

DER UNVERSTANDENE KÜNSTLER


Der Spatz saß auf dem Telegraphenmast und sah mitleidig in das ärmliche Zimmer des arbeitslosen Künstlers. Nennen wir ihn AK. Ein Künstler von vielen, gewiss, doch symptomatisch für die Misere des Deutschen Bildungswesens. Aber das ist jetzt nicht unser Thema. Es geht um Individuen. Denn die Demokratie, grüße Platon, kann, darf und sollte ohne solche nicht sein. Aha.

Damals, als wir noch sein durften, die Rede ist wahrscheinlich von Weimar und der Hippie-Zeit, ja damals, wie lange ist das schon her, tanzten wir um die Wette und die Kinder waren froh. Wir beteten nicht zu den falschen Göttern, und waren keine pseudo-larmoyanten Schwerenöter. Hüpfgesunde Sittiche waren nicht unbedingt unser Vorbild, aber frisch-fromm-fröhlich-frei standen sie höher im Kurs als der Ausbeutungsfrechdachs der Reichen. Dass die Armen immer ärmer werden, ist ja inzwischen eine Binsenweisheit, das weiß auch die Wallstreet.

Ach wie mitleidig doch der Spatz auf die Entwicklungsländer sah. Das wusste auch die Weltbank und sogar die weniger korrupten Teile der UNO und der UNESCO. Die Internationale erkämpfte gerade über Internet die Menschenrechte.Ohne pädagogische Überhangmandate. Trotzdem war Picasso nicht verstanden.

Wir tanzten also ohne Bewegungskomplexe durch die ungeklitterte Geschichte, jedenfalls wollten wir auch mal die Perspektiven wechseln, denn die Ausbeutungsmonopole hatten ja nicht nur moralisch, sondern mehr und mehr im Rahmen der Globalisierung auch ökonomisch-ökologisch versagt.

Der AK, der arbeitsscheue - äh arbeitslose Künstler, saß also nun an seinem Schreibtisch, oder stand er vor der jungfräulichen Leinwand, der Spatz konnte es durch die trüben, regenverhangenen Fensterscheiben nicht so genau erkennen, und schwang den Pinsel, also doch Maler gegenwärtig und nicht Schriftsteller. Recht muss doch Recht bleiben.

Wenn der Spatz sich so recht erinnern konnte, oder war es die verkleidete Taube von Picasso, welche da die Ateliers beobachtete, sah „Jenes" mit einiger Aufmerksamkeit, beispielsweise wie die schwarze Linie eine Kontur schuf. Es war wohl das Gesicht einer Frau, das da Form annahm, die Stirniinie war deutlich erkennbar, die Augenbraue, das Auge, die Nase, noch ein Auge, sie hatte ja auch zwei, richtig so, und die Nasenflügel waren über dem Munde, sinnliche Lippen, etwas gebläht. Kein Comicstrip nur, mit übergroßen Augen und kleinem Stupsnäschen, was ja bei Mangas schön sein, aber auf der groben Leinwand auch lächerlich wirken kann, genauso wie die karikaturhaft langen Nasen auf Charaktersuche, nein, normale klassische Züge, kantig weniger, auch nicht rund, sondern schwungvoll harmonisch, aber nicht ohne Charme und subversive Stimmungselemente, unterstützt durch ein etwas unorthodoxes Haarkleid. Die Haare waren auf einer Seite lang und auf einer kurz gezeichnet oder strähnig gemalt. Dadurch bekam der Kopf etwas Bildhauerisches oder klassisch Schräges wie vor Jahrtausenden.

Der Kopf saß auf dem langen Hals wie eine Beschreibung von Schönheit und suchte nach Tugenden. Die Beliebigkeit der Interpretationen wurde nicht konterkariert durch eine Kette über oder unter dem Kleid, denn erstens trug sie keine Kette und zweitens trug sie kein Kleid. Der nackte, plastische Körper der Frau saß im Stuhl oder räkelte sich auf der Matratze. Der Spatz kniff die Augen zusammen und bewegte seine emanzipierte Gehirnmasse, er konnte es beim besten Willen nicht genau erkennen. Er hatte bei dieser Differenzierung in der Schule gefehlt und wusste nicht, wie er diese Passage integrieren sollte. Er traf deswegen keine Aussage und lookte weiter. („The Spatz was looking further").

Die Frau auf den Bildern war in Ölfarben gemalt, oder waren es Dispersionsfarben?

Acryl war es wohl nicht, jedenfalls sah es nicht so aus, denn die speckigen und die fließenden Partien erheischten dieses nicht. Schon aus Kostengründen.

Durch das kubistisch aufgeteilte Fenster sah der Spatz auch die Arschbacken des Mädchens oder der Frau, nicht gespreizt, aber auch nicht keusch.

Der Spatz dachte nach. Die Denkblasen über seinem Kopf waren nur im Comic-Strip sichtbar. Wie lange mochte die Frau schon auf dem Bilde sein? Welcher Klasse entstammte sie? Hatte sie ein Buch in der Hand? ja, es war keine Zeitung, es war ein Buch.

Der Künstler hatte das Fenster aufgerissen und durch die Sichtlücke konnte der Spatz nun einige Teile des Bildes frei erkennen. Oh, hätte er doch eine Minolta bei sich gehabt, er hätte Kunstgeschichte geschrieben. Diese Sau, der Künstler konnte machen, was er wollte, aber er, der Spatz musste im Baume sitzen und warten, was der Künstler machte. Am liebsten wäre er als Düsenjäger verkleidet in das Haus geflogen und hätte mal „aufgeräumt". Aber das war ja verboten.

Auch Panzer durfte er nicht spielen: Wegen der Kinder. Caution artists. Pisa, Rütli, Maastricht. Harry Potter war ja nicht die angelsächsische Subversion unter das deutsche Bildungssystem. Lehmann oder Kahn: das war die Frage. Tutti Frutti Orelutti, wer wird Weltmeister. Der kluge Mann baut vor. Sie sind ja dings-bumsversichert, nur keine Schleichwerbung!

Der Spatz gegenüber der Frau transzendierte nun, und die Frau befand sich in der glücklichen Lage der Lichtspiele. Ein Lächeln huschte über ihr schönes, junges, faltenfreies Gesicht, das in gebildeten Hellbraun-rosa-orange-Tönen leuchtete wie eine Jungfrau, die eben erfahren hatte, nicht dass sie durchs Abitur gesegelt sei, sondern dass Gott wahrscheinlich doch keine Frau war, aber vielleicht auch kein Mann im normalen abgenutzten Sinne, sondern eine schwer oder gar nicht beschreibbare Erscheinung von Naturgesetzen oder deren gestalthafter oder nicht gestalthafter Voraussetzungen und Bedingungen von Geist und Materie.

Dialektisch eben. Na und? Das überließ sie den Wissenschaftlern, und die wussten - Gott sei Dank - ja auch nichts Genaues. Die Herrschaftsmechanismen waren ihr gleichgültig.


Die Frau auf dem Bilde konnte also denken. Theoretisch. Sie sah sanft aus wie die Mona Lisa, auch etwas lüstern-melancholisch und sogar etwas lasziv, ohne bis in die Gefilde von Velasquez, oder umgekehrt, Goyas jetzt reichen zu wollen.

Ihre modernistische Klassizität bestand eher in der verhaltenen Gestik der nicht entfremdeten Sinnlichkeit, die ja offiziell verboten war.

Begeistert vom Taumel der Möglichkeiten ließ der Künstler die Leinwand erstmal zappeln und griff dann wieder zum Pinsel und führte ihn konzentriert über die Fläche der nicht mehr ganz so jungfräulichen Leinwand, welche auf der gespreizten Staffelei stand. Das Kleid des imaginären Modells wurde vom Pinselduktus scheinbar aufgerissen, wieder zusammengeflickt, entflechtet, nicht entartet, aber synthetisch durchgespielt als Ressource der scheinbaren Entfremdung.

Der natürliche Destruktivdrang des Künstlers entlud sich nicht so sehr in der Verunstaltung des Gestalthaften, sondern in der Demontage des Überflüssigen.

Dadurch geriet Bewegung in die Sache. Der erweiterte Kunstbegriff des Fluxus wehte durch das Sackleinen der imaginären Bildvorlage als Konzeptheit, ebenso wie die Sinnlichkeit des traditionellen Abstandes. Die Identifikation und die Distanz des Pluralismus zerstörten und hoben auf im doppelten Sinne. Die Kritiken wurden ins hedonistische Nichts verschoben, wo sie oft auch hingehören.

Der Künstler lobte die Götter durch die Veredelung der „Natur".

Nachdem nun die Leinwand hinreichend ihre Unschuld verloren hatte, setzte der Künstler, arbeitsloser Stolz der Menschenwürde, Ehre des Vaterlandes, Ruhm der Nation, Statistik der Entfremdung, Bewegung der Revolution, Anpassung der Evolution, einige schlaue, spekulative Akzente. Er teilte die Leinwand wie Albrecht Dürer in Segmente, verließ aber nicht nur im Faltenwurf das 16-er System. Er spielte mit der Leinwand, ohne ihre Geheimnisse zu verraten. Denn nichts ist gefährlicher, als verstanden zu werden, dachte der Künstler in einer semantischen Lautstärke, die sogar den überall präventiv installierten Umzingelungsmikrophonen entgangen sein müsste, und setzte als imaginäres Spielmaterial scheinbar irreführende Akzente. Wie Wahrnehmungsbojen oder ordinative Abszissen der Abstraktion umgesetzt, konnten sie Spannungsfelder auf der Leinwand evozieren, deren Nano-Energiebündelung von gespielter Geistmaterie lichten oder dunklen, statischen oder bewegten Sinn simulierten.

Wenn aber der Befriedigungsindex der Volks- und Bourgeoisietäuschung nachließ, genehmigte sich der Künstler - unerkannt wie er war, bewusst oft unterbewertet und quasi Plusquamperfekt, getarnt durch elitären Pauperismus, trotz gigantischer Reichtümer im Hintergrund, von ebenso unbekannten demographischen Leistungen wollen wir aus guten Gründen gar nicht sprechen - genehmigte sich also AK auch manchmal eine Tasse Kaffee, um die Müdigkeit, Motivationslosigkeit und unerwünschte Stimmungen wegzuputschen.


Manchmal griff er auch zur Flasche, 96%-iger Jamaica-Rum in Tee geschüttet, oder Absinth in Maßen. Drogen nahm er weniger, da er mal nach etwas Haschischkonsum einige Frauen belästigt hatte, weil er dachte, er sei ein romantischer Satyr, der alles durfte, was nicht ausdrücklich in den Gesetzen verboten war. Lernfähig wie ein sportlicher Gymnasiast, beschränkte er sich also auf die allgemein üblichen Alltagsdrogen wie entfremdete Arbeit, Kaffee, Tee und Medienkonsum, Bewegungsübungen und Überwindung der Entfremdung durch ekstatischen Pluralismus mit dem kaum überprüfbaren Anspruch interdisziplinärer Sachkompetenz.

Wenn die Sinnfrage der Wahrhaftigkeit gelegentlich genügend erschöpft war, oder die Leinwand neue Sinnfragen stellte, schöpfte er keinen Verdacht auf Aporiesehnsucht, sondern pädagogisierte die Didaktik der scheinbaren Lernprozesse mit evokativ vor sich selbst gespielter Naivität in Richtung jung und wild oder „oldie but goodie" oder klassizistische Innovation ohne suggestive Verteilungsmoral plebiszistiver, populistischer oder distributiver Anbiederung. Nicht dass er darin unbedingt eine Schwäche sah, bloß er wollte keine Energie verschwenden.

Er wusste, dass wenn schon nicht das Weltall in Richtung unbedingter Unendlichkeit schwebte - freier Geist besinne dich - dann doch aber mit einiger Sicherheit die Dummheit der Menschen, der Menschheit, potentiell, gebündelt, übersteigert durch die Dummheit der Gesellschaft und ihre immer unübersehbarer gewordene Revolutionsbedürftigkeit der global beschränkten Philosophie, Reformbedürftigkeit der Wirtschaft und Bewegungsbedürftigkeit der Menschen.

Aber das verstand der Peep-Matz im Baume nicht, der ihn beobachtete. AK tolerierte das mit Wohlwollen, aber ohne Hybris oder bildungsbürgerliche Arroganz.

Eigentlich wollte der Künstler nun Fahrrad fahren, aber der Ruf der Arbeit war stärker.

AK nutzte die Kunstgeschichte als Trampolin der Assoziationen und bediente sich im Laden der Sinnlichkeit und Entfremdung wie Bolle auf dem Milchwagen.

Man konnte aus dem Vollen schöpfen, denn alles Wesendiche schien schon gesagt. Der Willkür der Qualitätsevokation, der Exegese, der Equilibration, der Simulation, der Banalisierung, der Dramatisierung, der Leugnung, der Spielerei, der Exemplifikation, der Darstellung, der selektiven Wahrnehmung, der Durchexerzierung oder deren Unterlassung standen Tor und Tür offen. Eine feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. So wie Sportler eine Mischung aus Soldaten und Philosophen sind, so pendeln Künstler zwischen Verrückten, Wissenschaftlern und Priestern, zwischen Heimatlosigkeit und Vergeistigung, zwischen Phantasie und Wirklichkeit hin und her und bedürfen keiner Monarchie. Denn sie sind, wenigstens in ihrer theoretischen Aufgabe, weiter als die Bundesliga bei der kollektiven Identitätssuche. Sie joggen durch die Kunstgeschichte, Clowns und Harlekins, Nachäffer, Kreative und Angepasste, Evolutionshasardeure und innovative Gecken. Sie sollten nur etwas können auf ihren Fachgebieten. Dann zockt auch der Zaster.


Obwohl die geistige Wahrnehmungsfähigkeit des Kapitalismus gegen Null strebt und sogar die Atavismen der Pisa-Rütli-Schulen in ihrer scheinbaren antriebslosen Naivität indirekt noch als kreative Effekte des kollektiven Chaos verstanden werden können. Wenigstens scheint die Bildungskrise durch Signifikanz Abwehrkräfte zu wecken.

Genauso wurschtelt der moderne Künstler in der Kunstgeschichte herum und zitiert beispielsweise De Kooning auf der Leinwand, wie in seiner Woman-Serie, bei der ihm gute Freunde wohlwollend ein „|i36ev aTav" (mäden agan) anrieten.

Die nymphomane Widerstandsfähigkeit der Volksausbeutung, die ja auch Esther Villard ansprach, geriet nun auf der Leinwand zum Schwung ihres innovativen Trotzes, den Picasso etwa im Strandkorb formulierte. Wir hatten da noch Latein gelernt. Oder die Pittura Metaphysika von De Chirico, die Schatten wirft und das Licht ganz anders umsetzt, auch thematischer als Hopper, dessen kühle Ignoranz auf genauer Wahrnehmung der Gesamtaussparung beruht. Ein adäquater Reflex, kanadisch, auf die amerikanischen oder genauer gesagt, auf die nordamerikanischen Künstler. Der Kapitalismus hat eben auch seine Ästhetik, monumentale Alltagsethik aber nur bedingt.

Wenn De Kooning vor der Leinwand springt, ohne die Konsistenz der Acrylfarben an die Ölindustrie zu verraten, so sind die Brücken von Long Island doch eher verständlich in der amerikanischen Malerei der 40-er Jahre. Da kann man nicht viel falsch machen. Denn es geht ja um Völkerverständigung. Man kann ja auch Ponton-Brücken über den Ozean bauen oder Seilbahnen. Die kann man auch noch versichern. Oder Schaukeln zwischen den Kontinenten. Auch das macht Spaß. Oder man liebt mehr das Paradoxe von Magritte, der die Situationen gediegen konventionell auf die windschiefe Logik bringt, wo nicht die gestische, sondern die sinnlich-logische Täuschung herrschte. Oder Delvaux, der Träumer, die Frauen mit den großen Augen, die immer nur Bahnhof verstehen und trotzdem in ihrer Traumhaftigkeit realer erscheinen als eine normale Photopostkarte.

Aber der Hyperrealismus von Gertsch hat diesen Anspruch ja gar nicht. Und die Photographien von Newton sind auch abstrakt.

Das Gemälde lebt vom Pinselduktus, jedenfalls soweit es seine Kraft, seinen Schwung und seine Energie vom Leinwandgeschehen abhängig macht.

Viele dienen ja auch so nur als Werbung.

Wenn die Frauen in ihrer Raum-Zeitlichkeit ihr Heil in der Natur suchen, hat das schon seine guten Gründe. Sie tanzen auf den Freiluftwiesen gerne im Kreise, nur das muss nicht immer Pissaro oder Matisse sein. Das gab es ja schon auf den Mosaiken der Antike, deren Haltbarkeit über die Jahrtausende erstaunt oder auch nicht. Die Themen des Hedonismus sind weitgehend unabhängig von den Gehirnhälften, wenn die Menschen Yin-Yang-entspannt sind. Sie drehen sich beim Schlafen und in der Wirklichkeit. Sie sehen die Dinge sowieso verkehrt herum.

Die Natur korrigiert das Falsche normalerweise, und je mehr wir in den Werken der Natur herumpfuschen, umso mehr rebelliert diese und entzieht sich unserer Kontrolle. So schaffen die flächenversiegelten und beschleunigten Stromläufe immer mehr Überschwemmungen, die auch mehr kosten als sie sparen, doch der kurzfristige Gewinn der Betriebswirtschaft scheint den Menschen näher oder wichtiger als die Vernunft der Volkswirtschaft. Wie bei der Inquisition und der „Perspektive und Bedeutung"-Diskussion.

Nicht mal tanzen darf der moderne Mensch, ohne dass die kurzsichtigen Konsumentenaggregate in Verwirrung geraten.

Oh edle Leinwand. Unverkäuflich.

Der unverstandene, arbeitslose Künstler, nennen wir ihn weiter AK, sah also nicht ohne ein gewisses Mitleid auf die materielle Hybris der Gesellschaft, die sich permanent gegenseitig konterkarierte. Das war ja nicht nur Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Mann gegen Frau, Frau gegen Mann, Kind gegen Kind, Kind gegen Frau, Frau gegen Kind, Mann gegen Kind, Kind gegen Mann, Auto für Frau und Kinder, nein im Gegenteil, Männer für Stabilbaukästen, Frauen für Puppen. Und dann Religion. Global. Jesus, Buddha, Mohammed, wenn man sie je verstanden hätte.

Wenn dann die Jugend gar nicht mehr weiß, wo es langgeht, tanzen sie Rap-Song,

Hip-Hop, Jazz, Boogie-Woogie, Bi-Bop, Hully Gully, Schimmy, Charleston, Ringelreihen mit und ohne Anfassen, Reihentänze, Gruppentänze, Volkstänze, Love Parade, nur dass dies die Kanonen von Bismarcks Kriegen sind und die Frau, der goldene Engel, der den Rock hebt, n'Roll, tanzt ja über jenen Kanonenrohren glorreicher Volksaustrickserei, die bereits auf der Emser Depesche bestand: „mitteilen" statt „sagen" war damals der Duden, und schon sah sich der französische Gesandte in der scheinbar umgekehrten Lage wie Chamberlain nach dem Münchener Abkommen. Canaris hätte Hitler eben doch rechtzeitig verhaften sollen!

Die expressionistischen Künstler wurden ja auch nicht verstanden. Sie warnten mehrheitlich vor der Kriegsbegeisterung, obwohl Franz Marc sich opferte, Dix die Gräuel schilderte und Goethe eben doch intelligenter wohl und nicht feiger war, als er lieber seine wissenschaftliche Farbenlehre angesichts kämpfender Kohorten entwickelte und damit der Menschheitsgeschichte mehr zu vermitteln vermochte, als so'n paar hundert gefallene Unschuldshelden.

Doch Tübke malte ja auch gerne Schlachten, und so wenig Frauen auch auf seinen großen, manchmal sogar großartigen Gemälden waren: eine einzige Mona Lisa wiegt trotz ihrer nicht einmal 40 cm Länge, Höhe und Breite mehrere Hunderte solcher Mega-Oevres lässig auf und übertrifft sie gleichzeitig quasi unendlich.

Genauso wie das schüchterne Lächeln einer einzigen verkannten Pisa-Schülerin die Dümmlichkeit und falsche Großartigkeit des Kapitalismus bei weitem übertrifft.

Jeder einzelne Pinselstrich des Künstlers ist in seiner Komposition mit verantwortlich für das Weltgeschehen. Auch wenn die Leute es nicht merken. Was Picasso bei Greco gesehen hat, war mehr als ein geflohener Odysseus. Es war die Quintessenz der legitimierten Kleptomanie vom wahren Weltgeist der Bildungsexegese als Ganzheit. Genie.

Die Dummheit der Gegenwart besteht oft weniger im Fanatismus veralteter Konzepte, als im Unglauben an die „wahre" Wissenschaft. So wenig, wie die Erde eine Scheibe ist, so wenig zwingt das Tanz- und Diskussionstabu die Jugend zur Vernunft. Die falsche Erziehung kämpft gegen die Entwicklung der Gesellschaft. 85 Prozent der Medienkapazitäten sind ungenutzt, weil die herrschenden Monopole des autistischen Kapitalismus in ihrer kritikunfähigen Selbstherrlichkeit ihre Pfründe bewahren - in überwältigender Einheit der regressiven Ignoranz der kollektiven Möglichkeiten emanzipierter Schwarmintelligenz. Sie taumeln vor sich hin in dem unterbewussten Bewusstsein, die Dummheit der Massen werde sie schon segnen durch die pseudoinnovative Kraft totalitärer, unbewusster Anpassung an die veraltete Geschichtsklitterung. Holocaustlüge, Panzereinschaltquoten, Düsenjägergefummel, Raketengetriebe, Weltraumsex, Pornotabu, Religionswahnsinn, Moralsimulation, Großgrundstücksbesitz, Aktienmanipulation, Falschgelddruckerei, Drogenhandel, Mädchenhandel, Kindersex, Internet-Surfe, E-mail-Zocke, Love Parade, Steuerhinterziehung, Wirtschaftskriminalität, Korruption, eben das ganze Programm.

Die Unschuld der Schlagerbranche lässt ja auch zu wünschen übrig. Casting nennt man das. Wo junge Menschen ihre Begeisterungsfähigkeit zur Schau tragen und die Ordnung nur zweitrangig ist. Die bedingte Willkür der Schiedsrichter simuliert Spontaneität und Mitbestimmungsrecht. Dabei sind die Gewerkschaften in Deutschland gar nicht revolutionswillig oder -fähig. Weil Karl Marx eben Band IV und V nicht geschrieben hatte, also das wäre die Gewerkschafts- und Kulturfrage, weil damals seine oder mehr noch deren Geschichte noch nicht so weit oder nicht mehr so weit war.

Die Begeisterungsfähigkeit der Jugend als Langzeitgedächtnis bedürfte aber der Einsichtsfähigkeit der Massenmedien, dass ihre Programme rudimentär sind. Der Auftrag Bildung, Unterhaltung und Information wird ja nur insoweit erfüllt, als er den Herrschenden nützt. Und wenn Bildende Kunst und Literatur in den Massenmedien eben nicht von den Machern, sondern weitgehend nur von den Marodeuren oder deren Beauftragten wahrgenommen werden dürfen, so sagt dies doch einiges über die Prämissen demographischer, volkswirtschaftlicher und kultureller Bedingungen in unserer Republik aus.

Jeden Pinselstrich, auch der Duktus des geknickten Heizungspinsels auf Nesselleinwand, Ost, West, Nord, Süd, Schräg, gibt auch Auskunft über gesamtgesellschaftliche Bedingungen und Seinsweisen.


II DIE SCHMETTERLINGSTHEORIE

Rein theoretisch kann ein einziger Flügelschlageines Schmetterlings eine Globalkatastrophe auslösen, wenn das Timing, die location und die Sinnketten „stimmen". Resultat: Arche Noah oder noch schlimmer. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht eben gerade hoch, aber rein theoretisch kann das passieren. Geringere Zufälle" gab es ja schon bei Revolutionen und Kriegen etwa, wenn ein normales Holzbrett, eine schiefe Brille oder ein missverstandenes oder falsch übersetztes Wort ganze Völkerscharen in Bewegung versetzte, gegeneinander aufhetzte oder Gefühlsausbrüche von gläubigen Nationen zur Kettenreaktion von Darstellungen brachte, die mit einfachen Lottokategorien nicht mehr erfassbar waren. Überforderte Politiker, dumme eifersüchtige Weiber, übertrieben ehrgeizige Militärs, falsche Wertvorstellungen, Eskalationen von Traumphantasien in höheren Positionen und dergleichen gab es ja auch schon in Hülle und Fülle. Dieser Spaß geschieht auch auf der Leinwand. Ein einziger Klecks an der „richtigen" Stelle bringt eine ganze Komposition aus dem Gleichgewicht und ist ohne Übermalung oder Ausradierung kaum noch korrigierbar durch die gesamtkompositorischen Verschiebungen.

Wenn nun eine Frau auf dem Bild, oder ein Mann etwa, die Beine in einer ganz bestimmten Richtung hält, bewegt oder richtungweisend darstellt, geraten die Senkrechten, Horizontalen und Diagonalen in Bewegung. Je nach ihrer farblichen oder formalen Hebelwirkung entwickeln sie dabei eine Dynamik oder einen Gleichgewichtszwang, der unterschiedliche Folgezwänge freisetzt oder überwindet.

Wenn eine moderne Kunstrichtung eine ältere überwindet, scheint dies oft erst etwas willkürlich und voluntaristisch, kann aber in der Wahl der Mittel bezüglich ihres Zwecks schon halb als klassisch erscheinen und schon wieder neoklassisch nachgeäfft werden. Dieser Manierismus kann übertrieben als Kitsch auch thematisch werden und entwickelt dann eine neue Bescheidenheit der Bildmittel als ehrlicher Bankrott oder als gestelzte oder radikale Umdeutung von Kompositionsmoralität. Die Konventionen dieser Innovationen oder Revisionismen spielen dann in Fetischbereiche hinein oder Rituale, die immer wieder neuen Maßstäben unterliegen und je nach Perspektive Formales und Inhaltliches neu bestimmen, auch in der Bedeutungsfiguration. Die Kompromisse zwischen den Stilrichtungen können auch gemischt werden und bilden dann je nach prozentualen Anteilen neue Fan-Gruppen und Darstellungsmodalitäten.

Dieser ganze Schwachsinn kann natürlich am unkompliziertesten und nachhaltigsten durch bessere Schulen gelöst und überwunden werden, also durch tendenziell klassendiskursive und sogar, und das dürfte neu sein, generationsübergreifende Gesamtschulen, welche auch ganztäglich benutzt werden können. Tanzen an die Schulen, Sternenkunde an die Universitäten, Kulturzentren in die Gesellschaft, wären die entsprechenden Parolen oder Devisen.

DKP(AO): Demokratische Kulturpartei - Aufbauorganisation!

Aber Schuster bleib bei deinen Leisten, und das ist mehr als eine Yogastellung.

Der Künstler wusste also um die Bedeutung schon einer einzigen gehobenen Augenbraue eines seiner Modelle.


III DIE PHILOSOPHISCHE REVOLUTION


Wenn nicht mehr „big brother" und auch nicht so sehr „little sister" sondern viel mehr „everything" tendenziell ist watching you am Herrschen ist, dann bedeutet das „dank" der Mikrochips auch philosophietechnisch notwendig eine generelles Umdenken in Richtung DEZENTRALE.

Das liegt den Frauen natürlich mehr, und entsprechende Professorinnen schreiben sogar neuerdings in technischen Bereichen schon Arbeiten über „dezentrale Selbstorganisation logistischer Steuerungsprozesse" und dergleichen. (Lesen Sie auch von AK „Aufgaben und Möglichkeiten dezentraler Kulturpolitik im Rahmen großstädtischer Entwicklung", 1976).

Da die städtische logistische Entwicklung inzwischen als global dominant bezeichnet werden darf, zeichnen sich auch neue, quasi revolutionäre globale Entwicklungen ab, die weit über nationale und religiöse Bedingtheiten hinausreichen, diese aber gleichzeitig berücksichtigen können. Die hypostasierte Notwendigkeit einer internationalen Revolution kann sich dabei auch auf Popper, Wittgenstein und Heidegger stützen, aber auch auf Toynbee und Marshall Mac Luhan und besonders auf Eucken. Die von ihm geforderte wie konstatierte „Interdependenz der Ordnungen" korrespondiert mit den Medien als Massage der kollektiven und individuellen Psyche, diese wiederum mit den Possibilitäten der Selbstverwaltungskompetenzen, diese mit Zeug, Ding und Sache (watch, watch, watch), diese mit Sprachkonfigurationen und diese oder jene mit der pluralistischen Gesellschaftsordnung.

Nun käme es einem Kierkegaard'schem Sprung des Bewusstseins der Menschheit gleich, wenn diese quantitativen Signifikanten in ihrer Strukturvakanz qualitativ verknüpft werden könnten zu einem sinnvollen Geflecht internationaler Ordnungen. Aber die Notwendigkeit solcher Maßnahmen besteht latent, wenn man den „point of no return" nicht irgendwann überschreiten will.

In der Bildsprache käme diese Lernleistung etwa der skalaren Auswertung von Sinnfrottagen gleich, welche die Intuitionen der sichtbar gemachten Vorlagen reduzieren und gestaltdynamisch machen, bezogen auf eine sinnfällige Gesamtkomposition oder wenigstens auf selektive Innovationen und Informationen. Die Kombination von Teilinformationen, die dem mittelfristigen und langfristigen Informationsreservoir wahrscheinlicher Assoziationsmassen entnommen wären, rekurierten dann auf eine künstliche Skalar Natur, deren schwarmintelligenzlerische Wirkungsweise kaum abgeschätzt werden könnte als Swing im Gegensatz zur bisher üblichen Defizitorientierung der komplexkonterkarierten Bequemlichkeit nicht nur patriarchalischer Denkweisen. Der Impetus der neuen Normalität würde sich dann der Ausgespartheit nicht nur platonischer Sinnpatterns widmen, und deren soziophilosophischer „Kurzschluss" könnte pseudo-regressiv revolutionär sein.

Die Frauen müssten bezahlt werden für seelische und seelenhafte Tätigkeitsfelder und Zeitbudgets (im Rahmen einer längst fälligen oder überfälligen gesellschaftlichen Reproduktionstheorie) wie Kunst, Tanzen und Ficken. Die frei gewordenen atavistischen Ressourcen ließen dann wieder neue Spielräume für Männer in den angestammten Tädgkeitsfeldern und Zeitbudgets von Beruf und Hobby, also Schluss mit Frust und Arbeitslosigkeit, was auch für die Kinder von großem Nutzen wäre, denn die hätten dann ihre Freiheit von hysterischen, frustrierten, überforderten, entfremdeten, desorientierten und nicht mehr zeitgemäßen Eltern und Erziehungsbevollmächtigten.Das scheint alles etwas zu kurz und gleichzeitig zu weit gedacht, wenn man die logischen Spannungsbögen nur stochastisch nachzuvollziehen in der Lage ist, aber der gebildete Leser, und dazu gehören Sie doch sicherlich, versteht das. Dafür zahlt man auch etwas und ist den Übrigen etwas geistig überlegen.

Das finden die Dummen erotisch. Dann können sie sich breitbeinig ans Pult stellen und verwechseln Herakles oder Herkules mit Platon (Sokrates) und oder Aristoteles. Dann fordern sie die Harmonie von Körper, Geist und Seele und berufen sich auf die griechische Polis.

Aber die modernen Städte sind auch über Satelliten vernetzt, und die tendenzielle Ubiquität ist mehr als eine griechische Plastik, natüriich auch weniger, denn die Städte sind nicht nur aus harmonischem Marmor.

Aber die Massen verlangen nach Sinn und Form, und das ist mehr als Wahlgestotter (Stahlgewitter). Sie fordern also von der parlamentarischen Demokratie philosophische Disziplin, die Demokratie durch die Mediendiktatur nicht nur simuliert, sondern über Internet als Benutzerprogrammvielfalt durchsetzt. Das Volk darf und soll wieder Subjekt sein und nicht nur Objekt. Dann aber muss es sich selber interessant und nicht langweilig sein. Also bedürfen sie des kreativen

Autismus lernfähiger Einheiten steuerungs-sachkompetenter dezentraler Bedarfs und Bedürfniskorrespondenz (qed). Also resümiert die Summe der erotischen Zonen der Frauen eben nicht im Peniswahn zentraler Entfremdung, obwohl der Heilige Erich die FDJ aus dem Widerstand gegen das Nazi-Reich anfangs auch moralisch interpretieren konnte. Dann ging er aber nicht nach Kuba ins Tropica, sondern nach Chile, wo Pinochet sein Unwesen trieb. Oh welch scheinbare Paradoxie:

Lesen Sie Le Bon (1930) „Über die Dummheit formierter Massen".

Verwesentlichen wir die Übergangsdiskussion der Begriffe, welche als philosophischer Hebel eingesetzt oder angesetzt werden können, durch die Wittgensteinsche Herangehensweise partiell an Heideggersche Begriffe bzw. deren Konstruktionen:

Dann käme die Distanz zum „Zeug" vor der Distanz zum „Ding" und dieses vor der „Sache". Das Flugzeug vor der Verdinglichung und diese vor der neuen Sachlichkeit. Welche Emotionen verdrängt wurden und dann zum Sog in die schwachsinnige Über- und Unteremotionalisierung des III. Reichs führten, braucht hier im Einzelnen wohl nicht erläutert zu werden. Aber die Projektionsfläche der Verdrängung menschlicher Werte korrespondierte im Bauhausmissverständnis nur scheinbar mit der reziproken Monumentalität von Hitlers unterproportional kleinen Menschen vor Häuserfassaden. Auch die kleinen Eisenbahnfiguren, die man in Zahnbürstenplastikkästchen kaufen kann, um die Landschaft lebendig zu machen, haben damit nur bedingt zu tun. Wichtiger ist der Wesensbogen von der Vernachlässigung menschlicher Tugenden durch die zentrale Hebelhybris.

Und deswegen sind dezentrale Übungen und Kongregationsgelegenheiten auch moralisch so wertvoll. Denn der lange Hebel der Zentrale neigt zur Abstraktion, welche durch ihre Geometrie oft eine auch soziale Symmetrie simuliert, die nicht mal architektonisch stimmt.

Die patriarchalische Legitimation der technologischen Hebelwirkung beruht allerdings auch auf der Bequemlichkeit der Frauen. Da diese aber oft die Doppelbelastung von Kindererziehung und Berufsstress auf Ersatzinstitutionen verlagern, erscheinen sie gleichzeitig manchmal als „Rabenmütter" und Berufsdilettantinnen.

Das muss nicht so sein. Wir wurden noch nach der Natur erzogen. Der Vater ging in die Bank oder so und die Mutter erzog ihre Kinder, wenn auch oft mit billigen, aber guten Hausmädchen. Jeder war zufrieden. (Wäre aber auch nicht gewesen, wenn Maschinen schon so weit. Maschinen machen Arbeit. Maschine schön intelligent. Sein immer intelligenter und machen auch Beamte und Angestellte arbeitslos. Immer mehr. Diese müssen dann Kultur geloben, üben, dezentral, damit nicht Langeweile, Aggression, Neurose, Psychose, paranoide, ausgeflippt: Rap Song.

Diese dezentralen Kultureinheiten schaffen Arbeitsplätze. Billig und gut, statt teuer und schlecht. Es räkelt sich die reiche Votze mit ihrem kreativen Arschloch nicht nur auf subventionierten Kulturausbeutungsaggregaten, welche der Steuerzahler indirekt gegen sich selber zahlt, denn dort lernen „jene" ja die Inhalte, die „diese" unterdrücken.

Das „Flug-Zeug" wurde ge-zeugt von Ingenieuren, die bezeugen können, dass sie gute Zeugnisse hatten. Sie zeugten Kinder, welche ihrerseits dann zeugungsfähig sind und gute Zeugnisse bekommen. Der klassenkonforme Zeuge bei Gericht bezeugt dann, dass Zeus ihm Pate stand und dann ist dieses ganze Zeugs schon wieder unter Dach und Fach: Kurssystem ist aber dümmer als Fächersystem.

Nun ist das „Ding" schon weiter entfernt als das „Zeug". Denn das Ding verdinglicht die noch fernere Sache: Hätte Goethe den Stein über den Fluss geworfen, wäre er Musiker geworden, hätte er ihn in den Fluss geworfen, wäre er Maler geworden, aber er warf ihn, absichtlich oder unabsichtlich, nur auf die Uferböschung vor ihm, und so wurde er, gottlob, Schriftsteller. (Bach und Mozart hatten den Musikbereich ja sowieso abgegrast).

Wenn nun Popper den pluralistischen Kunst- und Gesellschaftsbegriff will, so spiegelt sich darin auch die „ungeheure Warenvielfalt", von der Karl Marx schon als Sache sprach. Die Warenästhetik bügelt nur oberflächlich deren Verkaufs- und Kaufcharakter als Wesensnotwendigkeit des modernen Kapitalismus. Das Patri-archat aber spiegelt sich dann als Ganzes nur in der Wesensentfremdung, wenn die Artenvielfalt der Angebote nicht sinnlich wesensgekoppelt ist: Chance der Frauen!

Die sinnliche Reduplikation der abstrakten Warenbegrifflichkeit in ihrer konkreten Erscheinungsform koppelt nur dort von der eigenen Bewegung oder der Eigenbewegung ab, wo der Hebel der Abstraktion als quasi korrektives Surrogat eingesetzt wird. Deren Motivationshintergründlichkeit oder Tiefgründigkeit, scheinbar, stammt aus den Schätzen des Unter- und Unbewussten. Die panische Angst der Kriege wird von den Massenmedien nur teilsymmetrisch wiedergegeben („crazy"?) und Revolution erst im Nachhinein verstanden. Der reformistische Ansatz des Revisionismus, des Renegatentums und des Reaktionismus spiegelt nur teilweise ungefiltert das Wesen der Geschichtsepochen, denen sie zu entstammen scheinen. Die Gleichzeidgkeiten der Ungleichzeitigkeit lokalisieren die Medienlandschaft als Themenwechsel und Unterhaltungsprogramm. Der Druck auf die Themenwahlknöpfe simuliert bei Gleichschaltungsprogrammen nur die Warenvielfalt, wenn die De-Zentralen de facto gar nicht eingeschaltet sind. Die weibliche Psyche wird dann nur als Puppe vorgestellt, die auch einen Stabilbaukasten heiraten kann. Besonders Schleiermaterial kommt dann gut an, oder Godllas im Nebel oder diverse Schlagermelodien. Naturpanorama willkommen.

Die religiöse Bündelung moderner Entfremdungsprogramme und Voluntarismen erscheint dann bisweilen als willkürlich, pseudoinnovativ und sektenhaft. Da taucht dann ein Paulus-Bnef auf und wird um 180° interpretatorisch gewendet.

Oder eine Schriftrolle und Neudarstellungsmaterial für die Judasinterpretation usw. (Hitler hatte ja Deutschland verraten, Goethe nicht).

Die institutionellen Reflexe auf die pluralistische Warenmenge werden baukastenartig durch Stamokap zusammengefasst, in den Medien aufgeweicht und durch das Ausland geläutert. Niedriglohndumping und Religionskonkurrenz tun ein Übriges. Die dezentrale Selbstorganisation der intuitiven Steuerung der Einheiten wird nicht geisterhaft, wenn die bezahlten Einheiten der Tätigkeits-Felder und Zeitbudgets zur gesellschaftlichen Macht werden. Die multiplexen Skalarprodukte der intransitiven Sinnproduktion schaffen das Patriarchat quasi automatisch ab. Denn die Maschinerie überflügelt die Maschinen. Fuck-machine. Die Frau als Reproduktionsherrin übernimmt dann quasi den abstrakten dezentralen Steuerknüppel mit der rechten Gehirnhälfte, weil die Männer, überinformiert und überarbeitet, sich durch falsches Lob und falschen Tadel der Frauen gegenseitig fertig gemacht haben. Pyrrhus-Siege. Lysistrata-Effekte und kollektive Affenschande: Die Geisteswissenschaften haben versagt!

Je mehr aber die Frauen in technologische Berufe drängen oder geraten, desto wichtiger wird auch wieder Mac Luhan, der Hippiephilosoph, der die geistigen Strukturen der Indianerstämme und von Urvölkern, auch ihre Fetische, Symbole und narrativen Zwänge, so trefflich modern, (Produktives und Reproduktionsverhältnisse, Distributionsrahmen, Akkumulationen und Akkommodationen) neu projizierte, beschrieb und multidimensional interpretierte. Das Auto wird dann zur zweiten Haut, der Kofferraum nicht ganz zum Intrauterinpessar und die Staatskrise zur Affentrommel. Fehlt nur noch ein Kasperletheater. Aber Spaß beiseite, die Frauen sind schon ganz schön intelligent. Sie leben ja auch im Durchschnitt etwas länger als die Männer, außer den Mönchen, die ficken nicht so viel.

Die dezentralen Organisationseinheiten erheischen also eigene Formen durch hochmoderne Technik der Nano-Bereiche und auch fremde Planeten können anvisiert werden. Stanislaus Lem, Harry Potter und Donald Duck malen ein Bild.

Wer ist Cezanne? Karl Marx hat ein Pferd seitlich auf das Manuskript gemalt,

Fury oder Lassy, aber immer noch etwas attraktiver als die schwermütig gestaltete Musik Nietzsches, der ja auch mal mit Wagner und dieser mit Ludwig II was hatte, auch verrückt. Na ja. Goethes Bäumchen gingen ja noch, artendifferenziert.

Hätte er anarchischer, quasi wie Faust II gezeichnet, das wäre was gewesen. Die philosophische Revolution (global) aber ist einfach: Das mechanisch zentralisierte

Patriarchat wird philosophisch-elektronisch abgehört durch quasi demokratische, technisch versierte dezentrale menschliche Tätigkeiten: Natur II.


IV FERIEN-BILDER

Nehmen wir an, der Spatz oder der Artgenosse wäre mit einer Vasarely-Brille mit in die Ferien auf Gran Canaria gefahren und würde durch die Fenster der Pinta in das freie Atelier des Künstlers blicken, der mit Rock-Musik Bilder malt, welche stilistisch in der Nähe von Renoir, Gaugin, Cezanne, Utrillo, Vuillard oder Kirchner wären. Diese Brillen-Perspektive, das Sein bestimmt das Bewusstsein, brächte ganz prächtige Patterns hervor. Die Freiheit des Künstlers würde multipliziert werden durch die Betrachtungsweise der technischen Artgenossen. Die Frauen würden vervielfältigt in der technischen Reproduktion seiner gewollten oder ungewollten Kunst-Natürlichkeit. Eine Sangria gefällig. Der Freund meiner Freundin war auch schon da. Yuppies der alten guten Schule. Oder Hippies. Auch gut. Die Bilder mehr wie Heavy Metal. Nicht Kloster Ettal. Auch nicht Klosterfrau Melissengeist. Aber auch Qualität. Viereckige Bilder mit runden geschwungenen Formen. Sinnliche, sinnlose Frauen, die ihre Tätigkeitsfelder längst emanzipiert haben. Die Lust verdrängt die Unlust, der Spatz tanzt auf den Telegraphendrähten, der Heizungspinsel über die Leinwand. Aschenputtel steht im Abseits. Bundesliga-Format.

Der Künstler holt sich die Ferien-Modelle vom Strand und von der Disco ins Atelier. Unkompliziert. Sie ziehen sich aus oder posieren im Bikini oder in normalen Sachen. Die Hintergründe phantasiert AK je nach Bedarf. Der Spatz ist begeistert. Soviel artifizielles Frischfleisch hat er schon lange nicht mehr gesehen.

Und das ganz legal. Und noch mit Kulturanspruch. Die Begeisterung macht sich breit. Jetzt fehlt nur noch die Knete. Reiche amerikanische Käufer schleichen um das Atelier. Die Verkaufsmargen haben sich herumgesprochen. In vielen amerikanischen Hotels hängen schon Bilder von AK und werden auf Versteigerungen teuer weiterverkauft. AK weiß davon nichts und simuliert Aufklärung und Romantik. Germania, Weltmarkt. Der unverstandene Künstler bewahrt sich seine Naivität und spielt zwischendurch Strandfußball und geht windsurfen oder fährt Wasserski. Er hat eine gute durchtrainierte Figur, das imponiert den Weibern.

Schon manche reiche Touristin wollte ihn mal für zwischendurch mieten, aber AK bedarf dieser Art von Streicheleinheiten nicht. Lieber lässt er seinen Pinsel in platonischer Ekstatik oder mit Kalkül über die Leinwand zocken als sich zu „verraten" oder seine Psyche billig zu verkaufen. Dabei gibt es in Wirklichkeit gar nichts zu verraten. Aber auch das ist topsecret. Marktmechanismus.

Der Papagei saß auf seiner Stange neben einem umgebauten Volksempfänger mit Ariola-Ästhetik und krächzte unregelmäßig seine dummen oder intelligenten Sprüche in den Raum: „Ich liebe Dich" oder „Wo sind die Hosen" oder Mädchennamen wie „Gisela", „Susanne", „Monika" und dergleichen. Wenn dann Damenbesuch da war und die falschen Namen fielen, kam Heiterkeit auf oder gespielte Eifersucht oder seltener gemäßigtes Beleidigtsein oder Pikiertheit. Da der Künstler ziemlich ehrlich war, durfte sich aber keins der Modelle beschweren, wenn der Papagei nicht die Nationalhymne sang oder sich mit Treueschwüren der Natur entfremdete. Lebensfreude und Amüsement standen im Vordergrund und deswegen war der Künstler auch seiner Heimat entflohen, denn da durfte man ja nicht einmal tanzen, wenn man nicht wie ein angepasster Vollidiot aussah.

Jedenfalls fühlte sich AK im Ausland oft wohler als in Deutschland, denn er war liberaler als die moderne materialistisch beschränkte Frustrationskollektivität, die aber auch im regennassen Deutschland, Gott sei Dank, nicht immer, sondern nur sporadisch herrschte.

Manche Bilder wurden doppelt und dreifach gemalt. Wenn Motive besonders beliebt waren, wurden sie quasi vervielfältigt und dienten in unterschiedlichen Variationen dem materiellen Gewinn. Die Seele war an solchen Dingen weniger beteiligt. Besonders wenn der Eitelkeit geschmeichelt werden musste, konnten geringfügige Variationen den Kennern verraten, ob es sich um engagierte Malerei oder um Plagiate handelte. Die Kunstgeschichte konnte ja nach Belieben simuliert werden und die Empfänglichkeit für Kitsch und Schmeicheleien war ja bekannt.

Die Kunstwerke entzogen sich aber dem kollektiven Gräuel durch naturfrische Naivität.

Vieles wurde auch nicht verstanden, denn die allgemeinen Bedingungen der Wahrnehmungsfähigkeit mussten ja mit den Synapsendekreten zusammenpassen, durften also Werbungsaffinitäten nicht signifikant konterkarieren, sonst wäre das ganze System zusammengebrochen. Die Anpassungsästhetik des sozialistischen Realismus und des modernistischen Kapitalismus waren so verschieden nicht, jedenfalls nicht im Abweichungsgrad von den legitimierten Erwartungs und Verarbeitungsnormen ästhetischer Informationsbandbreite bezüglich ihrer relativen Abweichungsrisikotoleranz. Bunte Wellen mit nackten Mädchen und Palmen und Sonnenuntergänge lassen die Arbeitslosigkeit schön erscheinen.

Die gesellschaftliche Bedeutung von Kunstwerken variiert mit der Flexibilität der Systeme. Je diktatorisch beschränkter die Gesellschaft sein muss, darf, sein will, möchte oder wäre, desto mehr Tabus herrschen, und umso empfindlicher sind die Ausgrenzungsmechanismen. Die Ahnenreihen des Irrsinns sind lang. Die Traditionen sollen bewahrt sein. Das Neue bricht sich Bahn. Zahlreiche Zwischenstadien.

Verrückte überall. Die Launen der Natur.

Der Autismus der Gesellschaft gipfelt in der Mittelmäßigkeit. Wenn die Normalität das Genie vernichtet, jubiliert die Volksseele, wenn sie lange genug manipuliert waren, sich selber zu verleugnen. Die Artikulationen des Nichts aber gipfeln in der Begeisterung für die Dekadenz. Die Inquisition des Kapitalismus beruht auf der Verteilung. Die Süffisanz ihrer sublimen Voraussetzungen ist zynischer als die Lüge. Der Neid leugnet die Eifersucht. Die Habgier übertrifft den Atheismus. Geiz ist präventiver Neid. Sie drängeln die Schwachen. Schneller, höher, weiter. Die kollektive Erschöpfung bringt immer neue Stars in immer schnellerer und sinnloserer Reihenfolge hervor. Das Burn-out-Syndrom Mozarts, Kirchners, van Goghs, Toulouse-Lautrecs, Edith Piafs, Kleists, Modiglianis, Rembrandts, Mackes, Büchners, Jim Morrisons, Janis Joplins, Jimi Hendrix, Nirwana, Beethoven, Schiller, Schnupftabak, Extasie, Tanzverbot, Idioten, Vermassung, Werken bestanden. Kulturtabu schön.

Die Divergenz von Kultur und Kapital zerstört die Volkswirtschaft nachhaltiger als der Krieg. Der Fußball kann die ganze Last nur bedingt tragen. Die Schönheit der gesellschaftlichen Geometrie. Barabas frei, Jesus verzeih! Dedicare omnes potentia est per moderatione maiestatis. Quod non sciunt, quod sint. Aestimant non culpa naturae, quod dei sunt non milites artibus. Extravagancia stupidutatis exculpat nominative de leges: Multitudo requiet rem publicam sine moralis. Artibus colendae sint, gaudeamus igitur. Dedicati sunt in condemnads ad codi et cumuli quod non cum animae intellegre volunt, quod necesse est in disciplina philosophicae, quod feriae sint in extravaganciae legalis, animadvertere curnculi. Non opinant per leges, quod in secuntate populorum. Reducunt extravaganciae in exculpatione divitiorum et falsificatae non condemnis de equitatu. Pedestri sunt non navigatae. Ad scolaes regnant stupidi, cum non saltare volunt. But they don 't understand. -


V HEIMAT

Da Deutschland „nur noch" (har har) ein seelenlos herumirrender Roboter war, widmete sich der Künstler der Theoriebildung. Die nationalen Denkstrukturen der Deutschen wurden ja weitgehend nur noch durch die Bundesliga aufrechterhalten.

Und das war ihm einfach zu wenig.

Er griff also zur Antike und definierte, postulierte, dogmatisierte die evolutionsaffinitären Bedürfnisprioritäten als Bedarfsvoraussetzungsthesen: Kind entspricht Körper = Schlaf, Ernährung, Gymnastik (Sport)

Mann entspricht Geist = Beruf, Hobby

Frau entspricht Seele = Kunst, Tanzen, Ficken

Die demographische, wirtschaftliche und kulturelle Krise der deutschen Nation stand zur Debatte. Wenn man nicht in Kulturzentren tanzen und diskutieren durfte, herrschten nur noch die Massenmedien. Und die wurden weitgehend vom Ausland beherrscht von etwa 1% Zockern, die mal irgendein Ding gedreht hatten, dann den Sender gekauft, dann die Volksmoral. Aber da in Weimar die Männer intelligenter waren und in der Hippie-Zeit die Mädchen hübscher und früher auch die fröhlichen Kinder zahlreicher, sah der Künstler keine Alternative zur Kulturrevolution. Oswald Spengler, wo bist Du?

Wenn die Gesellschaft nicht lernt, Orient und Okzident, sowie Körper, Geist und Seele in harmonische Beziehungen zu versetzen, dann werden die Verhältnisse in einer Art zum Tanzen gebracht, welche Revolutionen und Kriege immer wahrscheinlicher macht. Die Produktionsverhältnisse und Produktionsbedingungen konterkarieren die sie verursachenden Produktivkräfte derart signifikant, dass die Ordnungskräfte zu Chaoten werden, die Studenten ihrer Erbschaftshoffnung entrissen und die Rentner kindische Roboterobjekte ohne Heimatgefühl werden. Jeder schubst jeden durch die Gegend, und der Ausländer reibt sich die Samtpfötchen: Deutschland fette Beute! Denn nicht die grandiose Gesellschaftsordnung und besonders nicht die verschwendeten Werteressourcen, sondern das Wetter ist der wahre Reichtum Deutschlands. Ohne Krieg, wahrscheinlich sogar ohne nennenswerte Revolutionen wird das Land in den Besitz reicher Global-Player übergehen, denn die Gesamtwerte der Natur der Gene sind gleichmäßiger verteilt als die Dummheit der Trägheit blinden Vertrauens in die Maschinerie als Leugnung der Naiven, welche die unterbewusste Kriegsschuld an die jeweils Schwächeren oder schwächer erscheinenden Teile der Bevölkerung weiterreichen.

Simultantäuschungs-Pseudocausalitäten!

Die jeweils Schwächsten werden beschuldigt, an Gesamtgesellschaft statt, die Übeltäter oder Kausalsymptome zu sein: Da werden dann ganz stolz die Rütli-Schulen und Pisa-Statistiken vorgezeigt, und Maastricht zockt zäh vor sich hin, aber die wahren Ursachen wollen sie nicht verstehen. Die Jugend darf ja gar nicht in jeder Schule eine Rock-Band gründen, welche sich dann quasi-sportlich in regionalen, nationalen und internationalen Wettkämpfen bewähren dürfen. Die klassendiskursiven und generationsübergreifenden Gesamtschulen sind noch nicht gegründet oder genehmigt, denn die alten Scheißer wollen ihre Pfründe bewahren. Der übliche Muff von Panzern, Düsenjägern und Soldaten wird dann als Waffenexportsynthese und Atompatt an die internationalen Institutionen, Konferenzen und Kaffeekränzchen weitergegeben und in den Massenmedien als Friedensgleichgewicht weitergedealt. Aber nicht der dekadente Landadel, sondern die ganze Gesellschaftsordnung stinkt global durch die Ozonschicht. Immer neue Sterne gucken mitleidig auf den Planeten Erde: 1 Milliarde hungern, 1 Milliarde überfressen. Kismet.


VI BERUF

Es ist gar nicht so einfach, ein gutes Bild zu malen. Da wäre einmal der Traum, dann aber auch die ganze Kunstgeschichte. Es reicht eben nicht, eine Leinwand aufzuspannen, und dann zuckt oder schmiert oder flitzt oder floppt oder gleitet der geniale Pinsel über die Fläche, und schon ist man reich und sucht, nachdem man mal so eben schnell berühmt geworden ist, nach schönen Frauen, dicken Autos, luxuriösen Wohnungen und extravaganten Ferienzielen. Nein, so einfach ist es eben nicht. Denn zwar kann ein „naives" learning-by-doing auch ganz nett sein, aber jeder moderne Künsder, der nachhaltig monumental sein will, kämpft bewusst oder unbewusst auch gegen die Kunstgeschichte: Höhlenmalerei, Punkrunen, archaische Skulpturen, Tempel, Pyramiden, Architekturen, Epochen, Phasen, Moden, Mittelalter und Klerikales, Altertümliches und Kleptomanes, Neuzeitliches und Unwichtiges. Die Maschinen nach der Renaissance haben nach den Architekturen bestimmte Kulturphasen und Kunstphasen hervorgebracht, die sich auch untereinander abstoßen, nicht nur Barock und Rokoko, Romantik, Aufklärung und Klassizismus, Jugendstil und Kubismus, Impressionismus und Expressionismus, Abstraktion und neue Sachlichkeit, Pop Art und Op-Art, Konstruktivismus und Suprematismus, Surrealismus und Dadaismus, Dekorationismus und Simulation Art, Konzeptkunst, Land Art vor migrativem Hintergrund, Auswanderung etc.


VII DER KLASSENSTANDPUNKT

Der sozialrassistische Kokon wird durchbrochen, wenn das Bild seine eigene klassenspezifischen Voraussetzungen multidimensional überwindet (Jazz; Samba).

Die gedemütigten, beleidigten, ausgebeuteten, entfremdeten, unterdrückten und belohnten Klassen emanzipieren sich auch durch die Globalisierung und Internet-Surfe. In den Kulturzentren und Internet-Cafes werden dezentrale Informationen ausgetauscht, welche den Arbeitslohn (Lohn für Arbeit), den Ausbeuterlohn (noch mehr Lohn für Arbeiten-Iassen) und die Kunst (kein Lohn für noch so viel Arbeit) als nebensächlich und unwichtig erscheinen lassen. Die Doppelstrategie Demokratisieren & Kultivieren" lässt hoffen auf die Lernfähigkeit der Massen: Die Massen, die Klassen und Rassen sollte man lassen und nicht hassen, auch wenn sie nicht passen. Sonst haben sie nicht alle Tassen im Schrank, Gott sei Dank, sind sie mehr meschugge als Pseudokultur-Schlemil und kapital-koscher, und der Sport kulminiert im Fußball als Religionsersatz. Das ist aber keine Philosophie.

Deswegen bedürfen die Massenmedien der Bildenden Kunst und der Literatur, damit die klassenübergreifenden und generationsunabhängigen Volksressourcen qualifiziert werden können. Sonst siegt das Ausland auf breiter Front. Die panslawistische Bewegung, die Kelten, die Merowinger, die Lambroginer, die Hohenzollern, die Ottonen, die Lottoscheine: Sehnsucht Normalverteilung.


VIII DIE KUNST GEHT WEITER

Weder rassensoziologisch noch klassenontologisch befreit sich das Volk platonisch- demokratisch. Sport emanzipiert die bürgerliche Kunstbegrifflichkeit nur bedingt. Theoretisch sind wir frei. Wer den Sport nicht ehrt, ist der Kunst nicht wert: Wissenschaft. Global. Spieltheorie, Chaostheode, aufgehoben im doppelten Sinne in den Bildern, welche frei sein wollen. Die Stirnfalten bei Freud, wie ihn Dali malte, die glatte gefaltete Stirn beim kubistischen Kunsthändler von Picasso, die Fischfrau und die grünen Birnen, die Stillleben von George Braques, diskutiert, ach schon wieder, von Picasso; Juan Gris nebenbei. Die Mademoiselles de Avignon, nicht Lucrecia Borgia, 12 Jahre im Abseits, aber nicht 1000-jähriges Reich. Die Hitler, Goebbels, Göring, Freisler, Eichmann, Mengele haben es ja nur im Film gebracht als Maulhelden und Symbolschwinger ausgerasteter Volksmassen. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Walter Rathenau, Ferdinand Lassalle (begabter Dummkopf), August Bebel, Adam und Eva: Wo geht es denn nun lang. Rudi Dutschke war der Deutsche Che Guevara. Aber er hat keine Bilder gemalt. Er hat Bücher geschrieben. Ernst Bloch: Prinzip Hoffnung. Konrad Fischer: Geschichte und Klassenkampf. Harry Potter beherrscht aber die Szene. Einschaltquoten-Infantilismus. Welche Bilder also malen, wenn der Traum und die Sehnsucht, die Leidenschaften der Massen irrational sind? Der heilige Fußball ist überfordert, wenn wir keine „vernünftigen" Bilder malen: Also riesige nackte Weiber auf Öl-Schinken! Das wäre doch wieder Bildende Kunst als sinnliche Darstellung und nicht nur zelebrierte Entfremdung, oder?


IX DEMOKRATISCHE BEMÜHUNG

Nicht die RSKCDU (rassen-sozialistische Klassen-Gesellschaft der Unvernunft), sondern die Liebe befreit die Gesellschaft. Ghettoübergreifende Mitmenschlichkeit verzichtet auf die Ausbeutung und Unterdrückung, wenn sie die Harmonie der Elemente wollen. Rudolf Steiners Denkfehler ist doch evident: Wenn er die Harmonie von Körper-Geist-Seele fordert, dann darf er doch nicht Instinkte und Denken quasi-rassistisch trennen und dann pseudodifferenziert diffamieren. Das steht Deutschland nicht wohl an. Das sollten auch die 200 esoterischen Gymnasien verstehen, wenn sie die Seelenlosigkeit des Kapitalismus konterkarieren wollen. Man muss ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Deutschland ist dank des guten Wetters (wechselhaft mittelmäßig) und einer gewissen technischen Tradition immer noch gutes Mittelmaß. Indien und China aber marschieren voran, Russland und Amerika, oder umgekehrt, herrschen noch, Deutschland steht schon teilweise im Abseits der Entwicklung und der Globo zockt weiter.

Wenn unsere Bourgeoisie nicht lernfähig ist, und wieso sollte sie in ihrer nicht nur geistigen Bequemlichkeit lernen wollen - diskutieren und tanzen verboten (!) -, dann werden die Ausländer nicht nur per Internet unsere Nation übernehmen. Und dann ist es auch nicht schade darum, denn regressive „Reformen" fordern eben, „Dialektik der Aufklärung", den moral-ethischen, lustig-burlesken „Karneval der Kulturen" (Subventionszocke).


X ARBEIT


Nach ein paar Billigflügen durch die Weltgeschichte kehrte der Künstler zurück in sein Atelier. Die sozialrassistische Globalisierung der Klassengesellschaft hatte ihn nicht gerade begeistert und die „Irrealität" seiner Schöpfungsstätte, bedingt abstrakt, wie sie geistig wohl auch war, kam ihm ethisch realer vor als manche Facetten der sogenannten „Realität".

Kaum at home, hechtete er vor die 4x5 m große Leinwand und zückte seinen überdimensional großen Pinsel. Rock-Musik, volle Lautstärke. Und dann ran an die Bouletten. Grau grundiert die Jute-Leinwand, rauhes Sackleinen, extra billig, aber gut, robust auch bei starken künstlerischen Attacken. Er hockte sich minutenlang vor die große Fläche und mediderte. Kurz bevor er seinen seelischen Mittelpunkt gefunden hatte, sprang er vor die Leinwand und entlud ein Alpina- Weiß, ein Purpur-Rot, ein Smaragd-Grün, ein Indisch-Orange (Holland manchmal), ein chinesisches Elfenbein-Schwarz (didaktischer Frohsinn der Kultur) und ein amerikanisches Bunt: Beliebige Reihenfolge.

Er war wie von Sinnen. Im Wagnerischen Rausch seiner Selbstdarstellung tanzte er vor der Leinwand, malte teilweise auf dem Kopfe stehend, auf dem Drehstuhl rotierend, zentrifugal und zentripetal gleichzeitig, und eines der anwesenden Modelle verließ fluchtartig den Raum.

Nun vernünftelte er befriedigt an Eckdaten und vermaß mit einem extra kleinen Lineal völlig unwichtige Stellen. Er wusste, das verbliebene Poppelmodell hasste irrationale Pedanterie und wollte sie zur Weißglut treiben. Dann fickte er sie aber nicht durch, sondern rauchte, mit ungewaschenen Fingern, erstmal eine Zigarette.

Die Zigarren ließ er im Etui. Eine Pulle Alkohol stand mehr zur Dekoration und Tarnung da, denn er musste auch des Verkaufes wegen sehr rational agieren. Bild-Sujet: Eine Frau warf einen Mond von sich weg mit der rechten Hand, oder streckte sich danach, can you dig it, oder griff sie sich mit der zweiten Hand hinter die Locken, um etwas zu verbergen? Der große Pinsel zockte nun wie wild über das junge ungebändigte Haupthaar der evozierten Göttin und hinterließ breite, unschilderbare Leinwandspuren. Wolfgang Richter hätte seine Freude daran gehabt. Auch De Kooning hätte gestaunt. Kokoschka hätte gejubelt. Van Gogh hätte geweint. Picasso hätte gelächelt. Nun neben dem Auto, das vor der Frau posierte wie ein unabgeholtes Status-Symbol der frühen 50-er, Freud oder Lew Kopelew oder Dostojewski im Existenzialisten-Intellektuellenmantel mit Regenschirm. 10 Knöpfe, Dezimalsystem. Die derben Schuhe in den wohl gerundeten Boden gestemmt (siehe Skizze, beigelegt). Die zwei Scheinwerfer des Autos scheinbar unbeteiligt.


Weiteres Bild:

Die Sterne am Himmel verteilt, 11 Fußballspieler, der Ocean beinahe übergeschwappt, eine Art Chaplin-Figur, gaudeamus igitur, iuvenis dum sumus, in souveräner Anhalter Haltung, lockere steife Hosen, wie ein Wandersmann, Hütchen mit Feder, hintergründig gut gelaunt, eine Erdrundung, eine blinde oder wegsehende Frau, noch 'n Regenschirm, aber aufgespannt, die Titten steil, aber nicht zu groß, die Mundwinkel schnutig, aber gleichgültig, ohne übertriebenen Trotz, etwas heruntergezogen, mehr Naturkind als Jeanne Moreau, die Haare wie die Kessler-Zwillinge zurückgekämmt, Schulter gleichgültig „rassistisch" hochgezogen, die Beine seltsam verschränkt, die Füße übergroß wie bei Professor Otto damals („Prof Otto") am Eingang bei der FBK, als sie noch in den Funkturmhallen Demokratie simulierten, die Früchte in der DDR noch knapp waren und die Verteilung der Güter, Diensdeistungen und Informationen unter den Alliierten noch manchmal an Demokrade gemahnten. Vernunft und Kapital-Paradies, na ja.


Weiteres Bild:

Vier Figuren, das Auto, der Mond, die Erdkugel, die Sterne: Eine Sinnparabel existenziellen Spiel- oder Sinnlosigkeitsbewusstseins der Moderne. Vieldeutig, mehrdeutig. Aber nicht übertrieben rätselhaft. „MODEM" steht da noch in großen Lettern und „Goethe". Wo kommt der denn her. Und ein Notenschlüssel (f) und ein Paragraphenzeichen in Klammern. Der Hintergrund des ganzen Bildes, oh welche Farbenpracht ohne in plattes Bunt überzugehen, ein Farbenrausch geradezu, von ozeanischer Pracht jungen wilden Aufbegehrens, wohl auch gegen die ganze Zivilisation? Ein Meisterwerk vor geteiltem Hintergrund des angedeuteten Firmaments. Ö (bläh, bläh, bläh).

Oder jenes Werk (kleine Zeichnungsskizze anbei), das verstört auf den ersten Blick: 5x6 m wuchtiges Leinen mit Dispersionsfarben hingeknallt, mit Sand aufgemischt, assemblagenardg angereichert. Die Figuren gar teilweise auf den aphorismenartigen Köpfen stehend. Verstörend auch die Perspektivwechsel, irritierend der ungebremste Sex und die Gewaltposen, dann wieder lakonische Comic-Strip-Elemente, unbeteiligt ein Oberarzt im weißen Kittel, oder ein nichtstaunender Intellektueller. Eiskalt sezierender Blick unter der Brille, analytische Arroganz der herrschenden Klasse, die Frau vor ihm eher schnippisch tänzerisch pseudonaiv mit Netzstrümpfen, Aspekt Landwirtschaft, und die Figur gar vor dieser wie auf einem durchlöcherten Panzer oder Stempelkissen die Arschbacken voll in die Höhe gehoben, aber nicht obszön, sondern eher rituell oder gymnastischgestisch-meditativ gebeugt wie in einer Pose verharrend, ohne eine wirklichen Blick für die abgehackten oder einfach nur so herumschwirrenden Köpfe oder Witzfiguren, welche die Bildfläche füllen. Eher sehen sie aber wie lustige Studien aus und friedliche Elemente als wie bedrohliche Resultate kriegerischer, terroristischer oder unmoralischer Handlungen. Ein Panorama der eklektizistischen Lebenslust, Zitatfreude gepaart mit der unverstellten Darstellungslust des unverbrauchten Mediums. Die Kartenfrau, die auf dem Kopf steht, sollte mal die Frisur wechseln. Ein Kaleidoskop menschlich-allzumenschlicher Vielfalt. Der Azteke mit Schild illustriert es als bedingt hämische oder kritische Silhouette.

Nicht ganz billig dürfte auch jenes etwas kleinere Werk (ca. 3x4 m, ebenfalls als Skizze an beigefügt), auf dem Kunstmarkt gehandelt werden, das mit Harzfarben, Acryllacken und schwerem Öl gemalt ist, wenig verdünnt und nur an wenigen Stellen mit leerer Leinwand, deren Grobstruktur durchscheint als Zitat für das Nicht-Getane, Nicht-Geschehene, Nicht-Gewollte. Ein Topf, eine Inschrift („Demokratie"), „Korruption", Regale, Pandora, April 2006, Worte, Begriffe, Wie Parolen oder segmentartige Überschriften von Leinwandsektionen verteilt, ohne Arte-Chiffra-Anspruch, sondern eher lakonisch erläuternd, distanziert, fast poppig, Bedeutungslosigkeit anstrebend. Ein Kaufmannsgeselle oder Lagerarbeiter in beflissenem ambivalentem Ernst einen leeren Korb vor sich hertragend.

Eine dicke nackte Frau, die nur ein Zyklopenauge trägt, unterdrückt eine armlos onanierende Hitler-Imitation, daneben eine Steinfigur, runder Schädel, eckiger Körper, lange Beine, stereotype Anonymität, eine zweite Frau, unbekannt, Typ junges hübsches Ding, ohne Beine, Rock hoch, jongliert mit einem Jo-Jo, wie auf Kundenfang, muss ja ganz toll gewesen sein, bläh bläh, ein Schweizer Käse oder ein Bierkasten steht ohne Überforderungsanspruch rechts unten in der Bildecke, ein Kind in einem Kinderwagen oder in einer schematischen Krippe bewahrt die Synode. Monumental die schweigende Aussagevielfalt der Symbole. Ein großartig verschwiegenes Werk höchster Qualität.

Weniger überzeugend dagegen wirkt eine Knabenfigur mit sparsamem Nurejew- oder Neumeier-Lächeln, welche vor der weitgehend glatten leeren Leinwand eine huldvoll verschränkte Hand hebt, etwas priesterhaft, „free 2006" und eine Art Strecke oder Baum mit Stern bezeigt etwas, ohne dass klar würde, was das Ganze soll. Nicht empfehlenswert. Aber das ist kein Befehl. Harry Lorayne* ist mal wieder nicht da. (*"Geheimnisse der Geisteskraft").

Genauso schwach und nichts sagend eine pseudomonumentale Frauenfigur, bei der die Arschbacken etwas zusammengekniffen auf der Tittenseite sind, aber der Kopf wiederum sphinxartig abgewandt: „Sphinx" steht dann auch sinnigerweise auf der Leinwand, „Rütli" kann man da noch lesen, und senkrecht, wie bei manchen Tanzlokal-Reklamen „Tanzen-Pisa" oder „Diskutieren". Dann noch eine Vase auf einem Schaukeltisch. Diese Bilder dürften auf dem Kunstmarkt kaum besondere Preise erzielen. Aber vielleicht brauchen Künstler auch solche Werke oder sogar das Publikum, um zwischen wertvollen und weniger wertvollen Werken unterscheiden zu können. Jedenfalls kann auf die Abbildung dieser Werke verzichtet werden. Das Gleiche gilt für eine 2x2 m große Pseudo-Venus, die vor einem WM-Ball wohl gerne modernistischen Nudismus zeigt, ohne weder die Kunst noch den Sport zu verstehen: Pfui!


Interessanter wäre da schon das 2 m x 150 cm große Werk „Ae|j.OKpaxia" (DEMOKRATIA) von AK, wo, lakonisch in Dispersionsfarben, leichtsinnig auf die Leinwand gezeichnet oder gemalt, eine junge Frau oder ein Jüngling in etwas ägyptischer Manier sich gestisch an dem Hinterteil oder dem Schwanz eines Pferdes zu schaffen macht, ohne den Schweif wirklich zu berühren. Das Pferd sagt doof" in einer Sprechblase, als ob Pferde sprechen könnten. Dann wären sie wohl

kaum so beliebt und wären wohl auch kaum 10 Millionen Jahre als Art alt geworden.

Jedenfalls sind die Silhouetten des Pferdes bewegt, und es ist ein gutmütiges Exemplar seiner Rasse. Wohl ein Schimmel oder ein Fuchs, oder ein Rappe, das ist nicht genau erkennbar, denn der Pinselduktus überlagert oft die Farbflächensignifikanz, um die Bewegung hervorzuheben. Das ganze findet in einem Zimmer mit Steckdose statt, die dort zwar bildästhetisch hinpasst, aber natürlich nicht in Wirklichkeit. Diese Bildschematik gab es ja schon bei Marino Marini, bei Degas, bei Picasso, Toulouse-Lautrec und Otto Moderson-Becker (nicht). Die Skizze ist wiederum anbei gegeben und erläutert den Bildzusammenhang. Wenn Sie dieses Werk kaufen wollen, brauchen Sie nur über Internet das Losungswort zu analysieren, dann mit den Lottozahlen der Totoscheine kombinieren und von einer fremden Telefonzelle des Ausländers anrufen. Sonst unverkäuflich: Ha, ha.

Auch das Werk „Frau auf Treppe" (siehe Skizze) soll hier nicht verschwiegen werden. Es handelt sich um eine Leinwand unbekannter Größe, Herkunft und Richtung. Wahrscheinlich noch aus dem 27. Jahrhundert vor Chnstus, mit Lampignon. Die zweite Fassung ist verschollen. Sie wurde damals für 345 Milliarden Mark vom Soundso-Museum verkauft an eine einsame Billionärswitwe, die ihren Hund bei einem tragikomischen Weltraumausflug verloren hatte. Seitdem muss sie bei den Massenmedien vorlesen. Aber sie ist immer noch Christin. Das rechnen wir ihr hoch an.

Das unbekannte Werk ist mit Dispersionsfarben gemalt und darf ebenfalls aus nicht genannten Gründen nicht verkauft werden. Es handelt sich, wie unsere Presseagentur verlauten ließ, eben nicht um eine rassendiskriminierende Verhaltensweisen evozierende Meisterwerksentartung, auch nicht um soziale Öko-Hysterie, nicht ethnographische Ausmusterung kulturantropologisch parapsychosomatischer Evolutionshypothesen oder ein Mysterium der Banalität, sondern um eine artifizielle Laune, wie das Wetter. Seit über 500 Jahren hatten wir nicht solche Hagelstürme in der Antarktis, so dass von einer ganz besonderen „Bewandtnis" die Rede sein darf Die Raumdiagonale ist kulturhistorisch logisch-atavistisch nicht verstanden. Es handelt sich vielmehr um ein tendenziell harmonisches Werk, das Seinesgleichen (nach Duchamp lässt die Bauhaustreppe grüßen) auch beim frühen Delvaux nicht findet. Ein Unikum, ein Original. Völlig wertlos für Fremde, aber liebenswert naiv für Einheimische, theoretisch globaL


XI PLASTIKEN

Nicht jede Plastik ist gesellschaftlich (bekannt). Der Krieg ist Kitsch, der Frieden ist Kunst. Jede kulturelle Leistung ist auch Arbeit gegen den Krieg (sagt Freud). Die arische Zwangsneurose kann durch Demokratie geheilt werden. Liberal, global. Jeder soll machen, was er will, aber bitteschön nicht auf Kosten der anderen. Der Mitmensch wird zur Qual, falls durch den privat-kollektivistischen Hegemonialanspruch Antagonismen provoziert werden. Falsche Dialektik. Jesus und Buddha hatten (haben) auf Besitz verzichtet. Vergeistigte Wesen.

Man kann in den Dreckspuren auf dem Boden Freud und Mozart sehen, aber auch Panzer, Landkarten, Meerengen, Fratzen, schöne Frauen und unbestimmte Figurationen und Symbole der narrativen Bewegung. Phantasiesache. Nur dogmatisieren sollte man sie nicht. Wer die eigene Spezialperspektive zur allgemeinen gesellschaftlich verbindlichen Wahrheit erklärt, ist latent wahnsinnig. 2 Weltkriege gingen von Deutschland aus, 2x war Berlin Hauptstadt des Massenwahnsinns. Nie wieder Krieg, sagt Käthe Kollwitz, aber woher wussten sie das?

Gut beobachtet.

Aber wie sind denn nun die Plastiken dieser Stadt verteilt, mal abgesehen vom Brandenburger Tor, der Siegessäule, der bisher nicht genehmigten Planetenuhr am Ernst-Reuter-Platz, dem Springbrunnen am AH- äh Reichskanzlerplatz und der Glienicker Brücke, wo Hitler in seinem letzten „Film" Knabenbäckchen tätschelte, ohne linkes abstehendes Ohr der 12-jährigen Helden, die noch ans Reich glaubten, und wo Arcon und Flavo nicht den Schulfunk erfanden? Am Q-Damm steht das Auge der Nemesis" von Bernhard Heiliger, Freund von Schwebes, der das Bikini- Haus gebaut hatte (ohne Rosi-Anspruch), Lieblingsschüler von Arno Breker, seinerseits Lieblingslümmel von Adolf Hitler. Na schön. Übrigens darf nicht jeder dort tanzen. Kein Sawade-Befehl oder Goethe, Faust II. Diskutieren hatte schon die Gestapo verboten. Arische Zwangsneurose. Sammellager. Pop-Musik. Deportation. Gran Canada darf wenigstens noch tanzen. Urlaub, Ferien. FROHSINN!


Nicht nur die Gesellschaft ist eine Plastik. Umgekehrt können auch Plastiken Gesellschaften darstellen oder Bildungsträger simulieren oder eben nicht, wie die Willy-Brandt-Statue in der SPD-Zentrale von Reiner Fetting und die „Philosophin" vor dem 300 m langen Kanzleramtsgebäude von Marcus Lüppertz, sei es nun politisch, parteilich oder gar nicht so gemeint. Distribution von Geist und Materie-Aggregaten gab es ja immer schon. Auch die Ziege vor dem Bausenat weiß nicht unbedingt alles von den Ziegen auf dem Savigny-Platz und diese wiederum nur wenig von Rauschenbergs Ziege mit dem Autoreifen oder den Verkäufen diverser Galerien, die auch mal mit Ziegen arbeiteten. Picassos Ziegenphoto aus dem Buch von Francoise Gilot sei hier gar nicht erwähnt, nich. Wie dem auch sei, Kapital Band II. Oder „Frieden kann ohne Freiheit nicht sein", Ernst Reuter, umzingelt von Marxisten und Stalinisten, verteidigt die Ethik der Stadt. Und die Wirtschaft. Länderfinanzausgleich. Frontstadtbonus. „Geh doch arbeiten, geh doch rüber". Rüdesheimer Platz: Knabe mit Pferd (kein Photoalbum).

Pischnondo. Ha ha. Wolf Vostell, auch Kurfürstendamm, Halensee. Die Erotik von Beton. Der dekonstruktivistische Ansatz des Kapitals. Chaos und Ordnung. Das thematisierte Plastik-Reuter (natürlich ohne Luftbrücken-Anspruch, auch nicht Elektro-Reuter) am TU-Hauptgebäude-Portal: Ost-West, Nord-Süd-Schräg. 3X10 m, wie Friedenstempel Vallauris übrigens.

Sinnliche Darstellung der Entfremdung oder ästhetische Symbolik von Richtkräften,

Wertung und Verwertung assoziierbar. Oder 10-20 m hoch die Stele von Mack, Gruppe Zero, monumental, gewiss, doch nicht wegen ihrer Größe, gegenüber der Tanzschule und dem 800000 DM-Brunnen und der populistischen Agora, monumental bedingt, gewiss, wenn dann doch aber wohl nicht wegen ihrer Maße, sondern eher wegen ihrer plastischen Schlichtheit, Verzicht auf Schnörkel und dergleichen, aber gediegener Glanz des Materials. Pendant vor dem Europacenter. Sergeant Pepper lässt grüßen. Oder die Gedächtniskirche. Auch schon dort gefickt. Hinterm Engel. Hippie-Phase. Na ja. Damals free. Die Tauben im Turm. Schnondo. Die Jüdin aus dem Pornofilm, anonym. Früher dort „Romanisches Cafe" etc. Sie und das Automobil und die Rockband. Schuhe runter. „Haste n 'Auto?" „Ne!" „Arschloch." Zinnober, Laterna Magica. Zoo. Hellste Lampe Europas. Damals. Fehrbelliner Platz. 7 Schwaben. Wenigstens nicht blind. Breughel. Vögel. Bernhard Heiliger am Ernst-Reuter-Platz; „Die Flamme" für Frieden wohl, der ja ohne Freiheit wie gesagt, nicht sein könne. Reidemeister, Brücke-Museum, unweit Fritz Steuben (Tecumtata), Tecumseh-Indianerhäuptling und Friedrich der Große und die Pferdeschar, Rudolf Steiner, Clayallee, Luftbrückenmemorie. Breker rettete mit Ernst Jünger ja nicht nur zahlreiche Pietant-Kollaborateure, sondern auch einige kulturbeflissene Resistance-Kämpfer. Picasso (nicht so oft!) zeigt den Nazis Hühner. Solche Esel. Bremen kann noch Meister werden. Aber nur theoretisch. Nigbur auf der Linie wie eine Katze. Der heilige Elias hatte es auch schon gebracht. Aber nicht „ecrite automatic".


Der Stift schreibt von selber, solange er schreibt. „Ich tanze, solange ich kann", Susis Lieblingsbuch. Hübsch. Tische sind schräg. Geil. Musik macht frei. Hübsche Mädchen nicht nur im Commonwealth, healthy, wealthy and rich. Dresden Kulturstadt. Manche tragen Zöpfe. Palmen ja. Napalm nein. Sind schön. Südsee,

hulla, trulla.

Den Palast der Republik haben sie ja weitgehend schon demontiert. Kann Lust und Bildungspark werden. Plastiken von deutschen Geistesgrößen aus Stein oder Bronze oder dgl. täten wohl gut: Goethe, Schiller, Heine, Dürer, Luther, Marx, Mozart, Beethoven, Bach, Schubert, Schumann, Heiden und Konsorten. Aber bitte nicht tanzen!

Weitere Plastik-Verteilungen der Stadt ohne unbedingten Anspruch auf geometrisch gewogenes Mittel der Normalverteilung: PW - Wertheim, Jahn neben Kranzler, Mendelson - Lehniner Platz, Karl-Marx-Platz von Beuys sauber gefegt, HA Schult in Venedig, die Erde ist keine Scheibe, Pope, sie fliegt auch nicht um die Erde die Sonne, Pennäler, sondern die Natur und die Geisteswissenschaften müssen befreit werden: Sonst unglaubwürdig! Desgleichen Hygrometer-Zocke. Werken bestanden. Bin aber nicht für das Wetter verantwortlich, sagte der Künstler und träumte orts- und zeitunbestimmt weiter.

 
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